Was bedeutet „Chinkuchi“? チンクチとは何ぞや?

Zuvor habe ich mich darum bemüht die zwei okinawanischen Karate-Begriffe Muchimi und Gamaku zu erklären. In diesen Artikeln wurden sowohl die wörtliche Bedeutung, als auch der Mechanismus der Techniken behandelt. Wir stellten fest, BB Magdass diese Techniken sich im Shotokan wiederfinden lassen, auch wenn man nicht diese Begriffe dafür verwendet. Heute geht es um den letzten der drei Begriffe: Chinkuchi. Gemeinsam werden wir auch hier herausfinden, was es mit dieser geheimnisvollen Technik auf sich hat und ob sie Shotokan völlig fremd ist.

(aus einer „Black Belt Magazine“ Ausgabe vom Dezember 1987)

Ich hatte bereits erwähnt, dass das Wort „Chinkuchi“ ebenfalls aus dem Okinawanischen kommt. Es klingt sogar für einen Japaner ungewöhnlich, sofern dieser nicht aus Okinawa kommt. Es wird mit den Kanji 一寸力, oder 寸力 geschrieben, was uns einen Hinweis auf dessen eigentliche Bedeutung geben könnte. Das Kanji steht für die Längeneinheit eines Zolls, oder auch einfach nur eine kurze Distanz. Die Verbindung von und kann also wörtlich „ein Zoll“ bedeuten. Wenn es als chotto (ちょっと) ausgesprochen wird, bedeutet es „kurze Distanz“, oder „kurze Dauer“. Und weil für „Kraft“ steht, wäre die wörtliche Übersetzung der Kombination aus diesen drei Zeichen „Ein-Zoll Kraft“, oder „Kraft durch kurze Bewegungen“. Das klingt doch schon interessant, nicht wahr?

Nachdem wir nun die Wortbedeutung herausgefunden haben, sollten wir uns die Ausführung der Technik anschauen. Laut Goju-ryu und Shorin-ryu wird Chinkuchi als „go-tai-jutsu“ (剛体術) beschrieben, eine Technik, die mit gezielter Muskelspannung arbeitet. Es wird korrekt ausgeführt, wenn man die Muskeln und Bänder um bestimmte Gelenkstrukturen, nämlich die Ellbogen, Schultern und Hüften, anspannt. Diese Trainingsmethode wird bei den okinawanischen Stilen als extrem wichtig erachtet. Deshalb wird Chinkuchi in fast allen diesen Stilen, insbesondere innerhalb der Naha-Te-Gruppe (inkl. Uechi-ryu und Goju-ryu) besonders betont. Wenn ein Karateka aus einem der Naha-Te Stile die Kata Sanchin trainiert, legt er oft einen hohen Wert darauf Chinkuchi in fast allen Techniken dieser Kata anzuwenden.

Ich zitiere, wie Morio Higaonna, ein berühmter Goju-ryu Meister, diese Technik beschrieb:

東恩納盛男

Chinkuchi steht für die Spannung, bzw. Stabilität der Gelenke, die für einen festen Stand, einen kraftvollen Schlag, oder eine sichere Abwehr benötigt wird. Wenn man schlägt, oder abwehrt, werden die Gelenke blitzartig und für einen kurzen Moment blockiert und die Konzentration nur auf die Kontaktstelle gerichtet. Der Stand wird dabei stabilisiert, indem man auch die Gelenke im Unterkörper (Sprunggelenke, Knie und Hüften) blockiert und den Boden mit den Füßen greift. Dementsprechend wird eine schnelle, fließende Bewegung bei einem Schlag, oder einer Abwehr, plötzlich für einen sehr kurzen Augenblick gestoppt, damit die Kraft weitergegeben werden kann. Die Spannung muss im nächsten Moment sofort wieder gelöst werden.“

Spätestens jetzt dürfte der Leser sich denken: „Hey, das ist doch wie unser Kime.“
Aber ist Chinkuchi das Selbe wie Kime, oder doch anders? Das ist eine wirklich interessante Frage und vielleicht finden wir die Antwort darauf, wenn wir noch tiefer in das Thema hinein tauchen.

shoulder blade openedEin weiterer wichtiger Punkt im Bezug auf Chinkuchi ist, dass es oft zusammen mit den Muchimi- und Gamaku-Techniken angewendet wird. Mit Muchimi wirkt Chinkuchi wie eine Art Beschleuniger, auch wenn man sich dabei eigentlich verspannt und die Bewegungen unterbricht. Um es ein Bisschen verständlicher zu machen, stellen Sie sich vor, dass shoulder blade scqueezedSie eine Peitsche halten. Diese Peitsche funktioniert nach dem selben Prinzip wie Muchimi. Um richtig zu peitschen, müssen Sie Ihre Hand sehr schnell von Hinten nach Vorne schwingen. Dann ist es sehr wichtig, dass Sie die Bewegung sehr schnell wieder stoppen, z.B. indem Sie das Handgelenk zurück schnappen. Dieser Prozess ist Chinkuchi, bei einem Schlag führen Sie es mit der Schulter aus, indem Sie gezielt das Schulterblatt einsetzen.

Zusammen mit Gamaku wird Chinkuchi in der unteren Bauchgegend eingesetzt, um einen festen und stabilen Stand zu sichern, sowie eine Vorspannung in der Hüftregion zu erzeugen.

Zuvor habe ich bereits erwähnt, dass man beim Go-Tai-Jutsu bestimmte Muskeln an den Ellbogen, Schultern und Hüften anspannt, um den Körper zu stabilisieren. Es scheint nun zwei hauptsächliche Gründe für den Einsatz von Chinkuchi zu geben. Einer davon ist das Empfangen eines gegnerischen Angriffs mit dem angespannten Körper. Bei dem Anderen verleiht man den eigenen Techniken mehr Kraft. Der Erste Grund ist für uns am leichtesten nachzuvollziehen, weil es etwas ist, was wir alle auf natürliche Weise tun. Der Körper spannt sich reflexartig an, wenn er getroffen wird. Das passiert sogar in alltäglichen Situationen, z.B. wenn Sie auf einer verkehrsreichen Straße von jemandem angerempelt werden. Sicherlich wissen Sie was ich meine. Der zweite Grund für den Chinkuchi-Einsatz könnte für Sie viel herausfordernder sein und benötigt deshalb eine genauere Erklärung. Wenn Sie beide Techniken meistern, werden sie vermutlich eine perfekte Strategie, sowohl für die Defensive, als auch die Offensive haben.

Um die volle Kraft aus Chinkuchi zu gewinnen, sollte man, wie bereits erklärt, den ganzen Körper anspannen, sodass er zu einem harten Objekt wird (Go-Tai-Jutsu). Wenn man das tut, kann man das gesamte Körpergewicht auf einen Punkt befördern, das wäre z.B. die Trefferfläche der Faust, was in einer zerstörerischen Kraft resultiert. Da das der Beschreibung vom Kime im Shotokan so sehr ähnelt, werden die Shotokan Karateka bis hierhin kein Problem mit der Erklärung haben.

Doch wir sollten noch tiefer in den Chinkuchi-Einsatz eintauchen. Oft wird beim Chinkuchi einerseits der Einsatz der Schultern, aber auch der tiefer liegenden Rumpfmuskulatur in der Hüftregion, betont. Für die Shotokan-ÜbendChinkuchien ist auch das leicht verständlich, weil wir die Bedeutung des Seika Tanden fürs Kime kennen. Ist ein Übender erstmal ein Experte in dem umfangreichen Chinkuchi-Einsatz geworden, kann er viel Kraft selbst mit minimaler Bewegung erzeugen. Das erklärt warum Chinkuchi als „Kraft durch kurze Bewegungen“ übersetzt werden kann. Wenn Sie das Konzept von Chinkuchi verstehen, wird Ihnen auch klar warum der Hüfteinsatz im Shotokan so häufig betont wird.

Nun wissen wir, dass es zwei Gelenkstrukturen gibt, an den der Übende die Chinkuchi-Technik entwickeln und trainieren sollte: Die Schulter (Achselhöhle, Schulterblatt etc.) und die Hüfte. Die Idee dahinter sollte uns allen einleuchtend sein, denn es ist offensichtlich, dass diese zwei Bereiche fest sein müssen. Nur so kann der Körper stabil genug sein, um eine solide Grundlage für Angriffe und Abwehrtechniken zu bilden. Wenn wir uns den Chinkuchi-Einsatz und dessen Training bei Goju-ryu und Uechi-ryu Übenden anschauen, werden wir sofort erkennen, dass es einen defensiven Zweck hat.

Hier ist ein Video der Sanchin Kata:

https://www.youtube.com/watch?v=R5UIVObcmus

Sanchin and hitting  3

sanchin-shime-and-hard-impact-2

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In dem Video sehen Sie, wie der Lehrer den Körper des Übenden an verschiedenen Stellen schlägt, wobei er öfter auf die Bereiche um die Schultern und Hüften zielt. Durch diese Übung lernt der Karateka die Schultern unten zu halten und gleichzeitig die Innenmuskulatur am Bauch, sowie den oberen Teil der Oberschenkelmuskulatur anzuspannen, um einen stabilen Stand zu schaffen. Ich nehme an, dass das Ziel dahinter für Sie nachvollziehbar ist. Wenn man all die Muskeln anspannt wird man fest wie eine Statue sein und folglich harte Schläge und Tritte erdulden können, ohne dabei große Schmerzen zu verspüren. Im Uechi-ryu trainieren die Übenden das Ganze mit offenen Händen (siehe Foto oben), damit die Bewegungen nicht so steif wie bei den Goju-ryu Übenden, die die Fäuste geballt haben, aussehen (siehe Foto unten).

Der spezielle Einsatz des Go-Tai-Jutsu als Abwehrstrategie könnte für den Shotokan Karateka fremd erscheinen. Dazu muss ich sagen, dass dieses Konzept von Funakoshi Gichin aus mehreren Gründen abgelehnt wurde. Einerseits glaubte er nicht daran, dass man davon ausgehen sollte vom Gegner getroffen zu werden, stattdessen aber seine Hände und Füße als Schwerter ansehen müsste. Außerdem verwarf er die Sanchin-Kata und ihr Training, weil sie üblicherweise oberkörperfrei ausgeführt wird. Okinawa ist ein subtropischer Ort und man sieht heute noch häufig, dass viele Männer fast ausschließlich ohne Hemd, oder Shirt leben. Im restlichen, nördlicheren Japan, insbesondere in Tokio, in das er zog, wird so eine Lebensweise jedoch als unhöflich und unkultiviert angesehen.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle eine witzige Anekdote erzählen. Zuvor möchte ich aber betonen, dass ich das keineswegs tue, um mich über Goju-ryu lustig zu machen, sondern nur um Ihnen den Eindruck, den wir als Anfänger damals hatten, zu vermitteln. Diese Geschichte ereignete sich vor über 50 Jahren, als ich erst 15 Jahre alt war. Damals begann ich mit Karate und trat zwei verschiedenen Dojos bei: Shotokan und Goju-ryu. Ich tat das, um jeden Tag trainieren zu können, ohne zu wissen, welch schwerwiegende Folgen es nach sich ziehen könnte, aber darum geht es hier nicht. Das komische ist, dass ich mich bis heute klar daran erinnern kann, wie wir Anfänger im Goju-ryu Dojo über den Namen unseres Stils scherzten. Unser Training war hauptsächlich auf die Spannung, Go-Tai-Jutsu und go_juKrafterzeugung ausgerichtet, weniger auf Beweglichkeit. Die Goju-ryu Techniken machten auf uns den klaren Eindruck von Härte, also hatten wir kein Problem mit dem ersten Kanji „go“ (hart). Was uns amüsierte, war das zweite Kanji „ju“ (weich). Wir sahen nichts von diesem „ju“ in unserem Training, also dachten wir uns alle, dass es besser wäre ein anderes Zeichen dafür zu verwenden. Wir entschieden uns für, was „zehn“, oder „absolut“ bedeutet, womit wir die Bedeutung von Goju-ryu in „absolut hart“ verwandelten. Wir wählten außerdem noch ein anderes Zeichen, , welches „schwer“ bedeutet, womit Goju als „hart und schwer“ übersetzt werden würde. Ich weiß nicht, ob der Witz hier gut herüber kommt, aber wir fanden das damals sehr amüsant.

Zurück zu der Funktionsweise des Chinkuchi. Wenn Sie schlagen, sollten Sie die Trapez- und Deltamuskeln anspannen. Der Grund dafür ist die Erhöhung der für den Schlag wichtigen Anfangsgeschwindigkeit. Stellen Sie sich einfach die Explosion zu Beginn eines Pistolenschusses vor. Falls Sie sich fragen wie die Muskelanspannung zur Beschleunigung führen soll, erkläre ich es ganz einfach: Es ist möglich eine explosive Bewegung auszuführen, wenn sie nur den Trapez- und Deltamuskel anspannen, aber alle anderen Muskeln um die Schulter herum locker lassen. Es dürfte anhand dieser Beschreibung einfach klingen, aber Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass die tatsächliche Ausführung alles Andere als einfach ist. Diese Technik soll extrem wichtig für Kämpfe auf kurzer Distanz sein, da sie Ihnen ermöglicht, trotz des kleinen Raumes, einen starken Schlag auszuführen.Oyama punch

Sie haben bestimmt schon mal das Gefühl für eine unangenehme Schlagdistanz gehabt, wenn Ihr Gegner sehr nah an Ihnen stand. Jede Distanz, in der Sie den Arm nicht komplett ausstrecken können, fühlt sich dann recht unangenehm an. Sie sind dann gezwungen den Schlag abzustoppen, sonst würden Sie „ein Loch“ in den Gegner schlagen. Zwar haben wir den Ura Zuki (Aufwärtshaken) für solche Distanzen, aber wir nutzen ihn nicht so oft, also tendiert die Faust dazu sich zu drehen. Was passiert dann? Die Schulter wird angehoben, möglicherweise zusammen mit dem Ellbogen. Der Arm sieht dann aus, als würden Sie einen Mawashi Uchi (Haken) ausführen, doch es bleibt bei der äußeren Erscheinung. Weil Sie auch diesen Schlag „frühzeitig“ stoppen müssen, um Ihren Gegner nicht zu verletzen, wir keine Kraft dahinter stecken.
Schauen Sie sich das Foto des jungen Masutatsu Oyama an, auf dem er auf ein Makiwara einschlägt.

Ich fand es besonders interessant, weil sein Schlag so aussieht wie ich es oben beschrieb. Achten Sie besonders auf seinen Ellbogen, der beim Aufprall nicht komplett durchgestreckt ist. Oyama praktizierte das Goju-ryu Karate, also nehme ich an, dass er hier die Chinkuchi-Technik anwendete, um genug Kraft zu erzeugen. Wenn Sie sich den Choku Zuki eines Karateka aus dem Goju-ryu, oder Uechi-ryu Oizukianschauen, werden sie am Ende der Technik eine ähnliche Armhaltung sehen. Mit anderen Worten: Obwohl es als gerader Schlag gilt, wird der Ellbogen nicht komplett durchgestreckt (siehe Foto). Vielleicht können die Übenden des Goju-ryu meine Vermutung bezüglich des Zusammenhangs zwischen diesem Choku Zuki und Chinkuchi bestätigen, bzw. mich korrigieren, falls ich falsch liegen soll.

Schauen wir uns nun genauer an wo die Chinkuchi-Technik ausgeführt wird. Üblicherweise beschreibt man Chinkuchi als eine Technik, die das Schulterblatt involviert. Eine im Naha-te häufig angewendete Übungsmethode zur Verbesserung der Dehnbarkeit und Kraft der Schulterblattmuskulatur, ist das Zusammenbewegen der Schulterblätter (medial) und dann wieder auseinander (lateral). Eine hohe Beweglichkeit und damit schnelle Kraftentwicklung im Schulterblatt wird benötigt, um die Anfangsbeschleunigung einer Technik zu ermöglichen. Es hat eine ähnliche Funktion wie das Schießpulver bei einem Pistolenschuss.

Viele Menschen verehren nach wie vor Bruce Lee (1940 – 1973) und selbst nach über 40 Jahren nach seinem Tod gibt es immer noch einige Fanatiker, die bereit sind alles über ihn zu glauben. Und obwohl ein echter Kampfkünstler mit mir einverstanden sein könnte, werde ich für einige der kommenden Aussagen Lee Long Beachbestimmt Hassmails erhalten. Ich rechne ihm die Popularisierung der östlichen Kampfkünste hoch an und er war ein guter Schauspieler. Nachdem ich mir aber seine Aufnahmen anschaute, die nicht in den Filmen verwendet wurden (denn diese können leicht manipuliert werden), bin ich der Meinung, dass er kein Meister des „Kung-Fu“ war. Er demonstrierte seine Techniken auf einigen Sonderveranstaltungen, von den die wohl Bekannteste 1967 auf Long Beach in Kalifornien statt fand.

Dort beeindruckte es das Publikum besonders mit seinem „Ein-Zoll-Schlag“. Doch ganz gleich wie oft ich mir das Video anschaue, sehe ich anstatt eines echten Ein-Zoll-Schlages, einen „fünf-Zoll-Stoß“. Auf dem Foto (oben) können Sie sehen, dass sein Oberkörper nach vorne gelehnt ist, seine Hüften sich dahinter befinden und sein linker Fuß keinen guten Kontakt zum Boden hat. Man erkennt außerdem, dass der Schlag aus der rechten Schulter erfolgt. Bei einem echten Ein-Zoll-Schlag nutzt man aber die Kraft aus den Hüften, sodass man sich nicht nach vorne neigen dürfte (oder bräuchte), so wie er es tat. Hinzu kommt, dass er sich seitlich drehte, um stoßen zu können. Ein wahrer Ein-Zoll-Schlag wäre aber leichter auszuführen, wenn man dem Ziel direkt gegenüber steht. Er gestaltete seine Show besonders eindrucksvoll, indem er hinter seinem Partner ganz strategisch einen Stuhl positionierte, auf den der arme Kerl dann ganz dramatisch zurück fallen musste. Ohne Stuhl würde er nur einige Schritte rückwärts machen, was weniger eindrucksvoll gewirkt hätte. Man darf außerdem nicht vergessen, dass das Publikum nie zuvor irgendeine dieser Techniken, weder einen Ein-Zoll-Schlag, noch einen „Fünf-Zoll-Stoß“, gesehen hatte, also war dieses ohnehin leicht zu beeindrucken. Ich hatte mal einen Schlag demonstriert, der einem Ein-Zoll-Schlag näher kam. Auch wenn dieser nicht perfekt sein dürfte, können Sie sich ihn in einem der Videos auf www.karatecoaching.com anschauen und die beiden Techniken miteinander vergleichen.

Wofür ich Bruce Lee noch Tribut zolle, ist seine außerordentliche körperliche Verfassung. Er mag zwar für sein großes Ego bekannt gewesen sein und als Schauspieler stellte er seinen Körper offensichtlich zur Schau, um auf dem Bruce LeeBildschirm beeindruckend zu wirken, doch folglich hat seine Fitness mit Sicherheit auch seine Kampfkunst unterstützt. Er arbeitete nicht nur an der Entwicklung der Muskeln allgemein, sondern auch an der Beweglichkeit seiner Schulterblattmuskulatur (siehe Foto: Szene aus dem Film „Way of the Dragon“).

Ein anderer Teil des Körpers, der eine wichtige Rolle in der Ausführung der Chinkuchi-Technik spielt, ist das Seika Tanden (untere Bauchmuskulatur). Es schließt die tiefe Bauchmuskulatur („Kernmuskulatur“), inklusive des quadratischen Lendenmuskels (Musculus quadratus lumborum, siehe Abbildung) ein.2Intestinal lumbar muscle 

In den Artikeln über Muchimi und Gamaku habe ich bereits über die Wichtigkeit dieser Muskelgruppen geschrieben. Aber welche Rolle spielt es beim Chinkuchi? Während die Schulter sehr wichtig für Chinkuchi ist, beginnt die Technik nicht dort. In Wirklichkeit beginnt sie in den Beinen, denn mit einer korrekten Technik wird so nicht nur die Kraft durch den Oberkörper zum Ziel geleitet, sondern auch der Stand stabilisiert. Diese Bewegung ist sehr fein und oft nicht sichtbar, was einen starken Kontrast zu der, für das Shotokan typischen, Hüftrotation im Gyaku Zuki darstellt. Ja, diese Hüftrotation erzeugt auch Kraft für den Schlag. Ich sehe kein Problem in der Rotation an sich, jedoch bin ich der Meinung, dass ihre Bedeutung für das Shotokan Training überbewertet wird. Der größte Nachteil an der Hüftrotation ist die Zeit, die dafür benötigt wird. Im Bujutsu ist jedoch die Schnelligkeit der Kraftentwicklung besonders wichtig. Deshalb lernen fortgeschrittene Shotokan Karateka eine andere Technik, den Hüftschwung, der dem Konzept von Chinkuchi sehr ähnelt. Jedoch wird dieser in einem durchschnittlichen Shotokan-Dojo Training leider nicht ausreichend erklärt und trainiert.

Wichtig ist, dass Chinkuchi überraschenderweise keine hochgradige Technik ist. Nahezu jeder kann seinen Körper anspannen. Zu einer Herausforderung wird das Ganze aber, wenn Sie so geübt sein möchten, dass Sie diese Spannung kontrollieren und bestimmte Muskeln, bzw. Muskelgruppen gezielt ansprechen können. Sie können erst behaupten diese Technik gemeistert zu haben, wenn Sie in der Lage sind Chinkuchi harmonisch mit Gamaku und Muchimi zu verbinden.

Fazit:

Um die Effizienz unserer Bewegungen auf ein Höchstmaß zu bringen, haben die naigougaijyu-tateokinawanischen Meister Techniken erfunden, die die „normalen“ Bewegungen des menschlichen Körpers beschleunigen, bzw. modifizieren. Bei unserer Auseinandersetzung mit Muchimi und Gamaku haben wir das bereits festgestellt. Diese zwei Techniken sind aber nicht alleinstehend. Sie müssen zusammen mit der Haupttechnik Chinkuchi angewendet werden, um die Effektivität des Angriffs, oder der Abwehr zu steigern. Mit anderen Worten müssen Sie Chinkuchi gut beherrschen, um auch das Gamaku und Muchimi effektiv einsetzen zu können. Selbst wenn Sie ein gutes Gamaku entwickeln, werden Sie den „unsichtbaren Fuß“ nicht ausführen können, wenn Sie dabei kein korrektes Chinkuchi einsetzen. Das Selbe gilt auch für die Beziehung zwischen Muchimi und Chinkuchi.

Was denken Sie nun, nachdem Sie mehr über Chinkuchi erfahren haben? War das gänzlich neu für Sie? Obwohl der Begriff an sich, wie auch die anderen zwei, für die Shotokan Karateka unbekannt gewesen sein dürfte, sind die dahinter stehenden Konzepte nicht so fremd. Ich glaube, dass sehr ähnliche Konzepte und Techniken auch unter den Shotokan Instruktoren (zumindest in der Asai-Gruppe) weitergegeben wurden.

Mein Verständnis vom Chinkuchi rührt von dem Verständnis der Shotokan Techniken und Lehren, die ich von meinen Senseis erhielt. Um zu erfahren, ob ich Chinkuchi richtig verstanden habe, oder mich irre, möchte ich die Übenden aus den okinawanischen Stilen darum bitten mir Feedback zu geben. Ich bin immer offen für konstruktive Kritik und die Möglichkeit von anderen Stilen zu lernen.

Als ein kleines Extra füge ich nun einige Videos ein, die die Chinkuchi Bewegungen und das Training erklären. Leider sind sie auf Japanisch, aber ich hoffe, dass sie trotzdem interessant für Sie sein werden.

松林流 新里勝彦先生ピンアン初段 #1 (Shinzato Sensei #1):
https://www.youtube.com/watch? v=xJcVyPnuuRs

#10:
https://www.youtube.com/watch?v=mXiB0l7MseM

#11:
https://www.youtube.com/watch?v=XoLScBKGpSY

Goju-ryu Chinkuchi-Training:
https://www.youtube.com/watch?v=F1-Eqquri0o

剛柔流空手道型・久場良男チンクチ・ガマク鍛錬法:
https://www.youtube.com/watch?v=rgF6XzMAfKQ#t=11

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This article was translated by Mr. Philipp Surkov.

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