Was bedeutet „Oss“? 「押忍」ってどんな意味?

 

Heute gibt es eine weitere Lektion über die japanische Kultur. Um die Grundlage dieses, in vielen Dojos sehr populären, Wortes besser verstehen zu können, werden wir die selbe Methode des Auseinandernehmens eines jeden Kanji anwenden, wie schon zuvor bei den Wörtern Sensei und Senpai. Dann werde ich den interessanten kulturellen Aspekt dieses einzigartigen Wortes beleuchten.

Osu KanjiDieses Wort wird auf mehrere verschiedene Weisen ausgesprochen und geschrieben. Viele schreiben „Osu“, oder „Oss“, einige sprechen es wie „Ous“ aus. Ich bevorzuge die Schreibweise „Ossu“. Es sind lediglich unterschiedliche Aussprachen und alle davon sind „richtig“.

Das „o“ aus „oss“ wird mit dem Zeichengeschrieben und bedeutet „sich bemühen“, oder „unterdrücken“. Den Teil „ss“, oder „su“ schreibt man mit dem Kanji , was „durchhalten“, oder „fortdauern“ heißt. Deswegen symbolisieren beide Zeichen zusammen (押忍) die Einstellung, dass man die eigenen Emotionen unterdrückt und ein hartes Training, die Pflicht und ermüdende Qual durchhält. Dieses Wort wird üblicherweise von Budoka genutzt, die Karate, Judo, oder Kendo ausüben. Es wird aber auch von Athleten der Sportarten genutzt, die eher als aggressiv und machohaft angesehen werden, wie z.B. Baseball, Rugby usw.

Es wird in Japan auch typischerweise von männlichen Sportlern genutzt. Das kommt daher, dass „osu“ auch mit dem Zeichengeschrieben werden kann, welches „männlich“ bedeutet, und viele japanische Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie „osu“ sagen. In vielen Dojos ist es ihnen erlaubt und wird sogar befürwortet, dass sie anstatt „osu“ die normalen Begrüßungen verwenden und mit „ja“ und „nein“ auf die Fragen ihrer Sensei, Senpai und Kollegen antworten. Genau wie Judo und Karate weltweit bekannt geworden sind, so ist es auch das Wort „oss/osu“. Die kulturelle Bedeutung dieses maskulin-orientierten Wortes migrierte jedoch nicht, weshalb viele westliche Frauen es trotzdem verwenden.

Lassen Sie uns die Geschichte anschauen. Überraschenderweise ist die genaue Herkunft unbekannt, es gibt jedoch mehrere Theorien. Zwei davon möchte ich mit Ihnen teilen.

Eine Theorie besagt, dass dieses Wort erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts von der Kaiserlichen Japanischen Marine eingeführt wurde, um den Kampfgeist der Soldaten zu stärken. Und zwar soll es folgendermaßen passiert sein: Auf japanisch heißt „guten Morgen“ „ohayo gozai masu“. Die Soldaten wurden darauf trainiert bei der Marine immer alles in Eile zu tun, auch das Grüßen und Antworten. Deshalb wird vermutet, dass die Begrüßung „ohayo gozai masu“ nur noch mit einem „o“ und „su“ abgekürzt wurde und damit zum „osu“ verschmolz. Die Begrüßungen am Nachmittag und Abend sind natürlich anders, jedoch wurde „osu“ zu einem universellen Grußwort und einer Antwort, unabhängig davon, ob diese „ja“, oder „nein“ lautete.

Hagakure cover 2Eine andere Theorie besagt, dass dieses Wort von den Samurai des Saga-Klans (佐賀藩 auf der Kyushu-Insel) erfunden wurde. Der berühmte Autor des Hagakure (葉隠), Yamamoto Tsunetomo (山本常朝 1659 – 1719) wurde in diesen Klan, wo der Bushido sehr stark und streng ausgeübt wurde, hinein geboren. Vermutlich haben die jungen Samurai des Saga-Klans im 18. und 19. Jahrhundert „osu“ als Begrüßung am Morgen verwendet.

Wenn Sie mehr über Yamamoto Tsunetomo erfahren möchte, dann schauen sie sich seine Biografie auf Wikipedia an: http://en.wikipedia.org/wiki/Yamamoto_Tsunetomo

Das Hagakure wurde von vielen Samurai als geistige Leitschrift auf dem wahren Bushido angesehen. Wenn Sie noch nie etwas darüber gehört haben, können Sie auch das auf Wikipedia nachlesen: http://en.wikipedia.org/wiki/Hagakure

Viele Leute fragen mich, warum es nur eine Antwort „osu“, sowohl für das „Ja“, als auch für das „Nein“ gibt. Um das zu verstehen, sollten Sie zunächst die Kultur des Bushido und der japanischen Kampfkünste kennen. Das Rückgrat des Bushido ist der totale Gehorsam. Lesen Sie das Hagakure und Sie werden es verstehen, unabhängig davon, ob Sie mit dem grundlegenden Konzept des Gehorsams einverstanden sind, oder nicht. Hier im Westen, wenn ein Lehrer sagt „spring!“, wird der Schüler sich eher fragen „warum?“, oder es gar nicht tun. Natürlich könnten einige fragen „wie hoch?“. In einem japanischen Dojo würden alles Schüler ohne Fragen und Widerworte „osu!“ rufen und springen. Die Antwort „nein“ wird in einem japanischen Dojo also gar nicht gebraucht. Ich bin mir sicher, dass viele Westler dieses Verhalten als unklug, oder sogar dumm und gehirngewaschen betrachten würden. Jedoch möchte ich betonen, dass der Sinn des Vergleiches der beiden unterschiedlichen Kulturen nicht darin liegt zu beurteilen, welche von ihnen die Bessere sei, sondern lediglich um die Unterschiede zu veranschaulichen, damit die Leser ein klareres Bild davon erhalten könnten.

Ich hoffe, dass Sie nun ein besseres Verständnis davon haben, was das Wort „osu“ bedeutet und woher es kommen könnte. Ich hoffe auch, dass Sie dieses Wort nun mehr schätzen und gewissenhafter in dessen Verwendung sein werden.

 

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