Was ist Ki? 気とは何ぞや? (Teil 2)

deep_breathingOK, sie könnten sich fragen, warum die Stärkung des Ki mit der Atmung oder gar der Tiefenatmung zusammen hängt. Lassen Sie uns zunächst schauen, ob die korrekte Atmung auch in der westlichen Welt als vorteilhaft angesehen wird. Ob Sie glauben oder nicht, aber wenn sie nach dieser Frage googeln, werden sie viele Artikel und Seiten finden, die in Verbindung mit diesem Thema stehen. Auf einer Seite, die zu der Motivations- und Achtsamkeits-Seite One Powerful Wordgehört, werden 18 Vorteile einer Tiefenatmung aufgezählt:

Sie…

  1. entgiftet

  2. löst Spannungen auf

  3. entspannt Körper und Geist und bringt Klarheit mit sich

  4. erleichtert emotionale Probleme

  5. lindert Schmerz

  6. massiert die inneren Organe

  7. vergrößert die Muskulatur

  8. stärkt das Immunsystem

  9. verbessert die Haltung

  10. verbessert die Qualität der Blutes

  11. verbessert die Verdauung

  12. verbessert das Nervensystem

  13. stärkt die Lungen

  14. stärkt das Herz

  15. unterstützt ein gesundes Körpergewicht

  16. vergrößert die Energiereserven und verbessert die Ausdauer

  17. verbessert die Zellerneuerung

  18. verbessert die Laune

Genug Vorteile? Den gesamten Artikel (auf englisch) finden Sie hier:

http://www.onepowerfulword.com/2010/10/18-benefits-of-deep-breathing-and-how.html

Jedoch ist es wahr, dass der Inhaber dieser Seite kein Mediziner ist. Dann lassen Sie uns doch anschauen, was Experten in der Medizin zu der Tiefenatmung zu sagen haben. Ich werde hier nur einen von ihnen erwähnen, aber wenn Sie im Internet recherchieren, werden Sie auf zahlreiche solche und ähnliche Quellen stoßen. Die Seite, auf die ich mich beziehe, heißt Women to Women;Changing womens health naturally (Von Frauen zu Frauen; Die Gesundheit von Frauen auf eine natürliche Art verändern) von Marcelle Pick. Auf einer Seite schrieb sie: In einem Bericht und den Analysen mehrerer Studien aus dem Jahre 2005, beschreiben Richard Brown und Patricia Gerbarg, dass Übungen zur Tiefatmung aus dem Yoga sich als besonders effektiv gegen Depressionen, Angstattacken und weitere stressbezogene Krankheiten erwiesen. Diese Techniken können als ausgezeichnete Ergänzungen zu der herkömmlichen medizinischen Behandlung oder in manchen Fällen als angemessener Ersatz von einer Unzahl an psychologischen Krankheiten, sowie Essstörungen und Übergewicht, dienen.

Auch diesen Artikel (auf englisch) können Sie bei Interesse hier finden:

http://www.womentowomen.com/fatigueandstress/deepbreathing.aspx

Wir sehen also, dass die moderne medizinische Gesellschaft ebenfalls die Vorteile der Tiefenatmung befürwortet. Es ist bedauernswert, dass diese Akzeptanz unter dem Großteil der Bevölkerung, darunter den Sportlern, nicht so sehr verbreitet ist. Noch bedauernswerter ist es, dass viele Karate-Lehrer die Bedeutung der Tiefenatmung nicht betonen und diese nicht in ihr Trainingsprogramm aufnehmen. Jedenfalls wussten die Asiaten von dieser Bedeutung bereits vor mehreren Jahrhunderten und bauten die Tiefenatmung in verschiedene Trainingsmethoden ein. Wir glauben, dass die Ki-Energie aktiviert werden muss und durch den Körper zirkulieren sollte, um positive Wirkungen herbei zu rufen; und um diese Zirkulation zu stärken wurde die Methode der Tiefenatmung entwickelt. Ähnlich sieht es aus, wenn man Wasser in einem Wasserkocher zu kochen bringt: Zuerst wird es von unten erhitzt, steigt dann nach oben und zirkuliert wieder nach unten. Stellen Sie sich dieses Bild in Verbindung mit dem Ki in Ihrem Körper vor. 経絡図 Die Atmung macht zwei Dinge: Erstens unterstützt sie die Ki-Energie bei ihrer Zirkulation (innerlich), und zweitens reichert sie einzelne Körperteile mit einer Energiequelle – der Luft – an (äußerlich). Letzteres wird durch den Blutkreislauf ermöglicht, doch die Tiefenatmung hilft dabei, indem die die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid verbessert.

Sie könnten sich fragen, wo das Ki in Ihrem Körper entlang läuft. Chinesische Experten entwickelten eine Grafik für Meridiane, die sich Keiraku (経絡) nennt, um die genauen Wege, sowie das ganze System zu zeigen (siehe Abbildung). Heute wird unter dem westlichen medizinischen Personal viel über die Existenz solcher Wege diskutiert, da man keine physischen Organe vorfinden kann, durch die diese Energie fließen könnte, während man in der Lage ist Venen, Arterien und Nerven vorzuweisen. Das Keiraku-Schaubild wurde im Laufe mehrerer Jahrtausende anhand der praktischen Erfahrung von Experten der Akupunktur und Moxa entwickelt.acupuncture

Der gleichmäßige Fluss Ihres Ki ist der Schlüssel zur Gesundheit und Lebenskraft. Das langsame und tiefe Atmen, das mit den langsamen Körperbewegungen koordiniert ist, hilft und verstärkt die Zirkulation. Ich wiederhole nochmal, dass Tai Ji Chuan eine der besten Methoden aus allen Kampfkünsten (vorausgesetzt Sie stimmen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe zu) ist, um das Ki zu entwickeln. Selbstverständlich würden Sie nun gerne wissen wie es mit dem Karate steht. Ja, es wird Zeit, dass wir nun über unser Karate-Training sprechen, aber was denken Sie wie es damit steht? Leider enthalten die Trainingspläne von nur sehr wenigen Shotokan-Dojos spezielle Atemübungen. Wenn das so ist, dann würden Sie vielleicht an das Atemtraining während der Kata denken. Und wieder muss ich Sie enttäuschen, denn keine Kata wird, im Bezug auf die Atmung, korrekt unterrichtet und nur wenige Lehrer wissen, wie man die Bewegungen der Kata mit der Atmung harmonisiert. Die einzige Shotokan-Kata mit sichtbarer Atmung, nämlich Hangetsu, hat ihren Unterricht der Atemmethoden vor vielen Jahren verloren. Nur Kanazawa-Sensei und ich unterrichten noch auf diese Weise. Zusätzlich verlor Hangetsu nicht nur beinahe ihre Atemübungen, sondern auch den wichtigsten Schwerpunkt beim Hangetsu-Dachi. Darüber habe ich in meinem Buch, im Hangetsu-Kapitel, geschrieben; sicher könnten sich meine Leser daran erinnern. Ich habe vor ein Anleitungsvideo auf der Karate-Coaching-Seite (www.karatecoaching.com) hochzuladen, wo ich erklären werde, wie man es machen sollte und zusätzlich einige Atemübungsmethoden zeige. (Anm. des Übersetzers: Die Videos sind bereits gefilmt, hochgeladen und einsehbar für Abonnenten von Karate-Coaching.)

KiaiSie kennen das Ki-ai (気合) welches Sie oft im Training machen. Das bedeutet wörtlich das Ki sammeln. Hilft es denn nicht das Ki zu stärken? Ja, es ist sehr ironisch, aber, ob Sie es glauben, oder nicht, doch die übertriebene Nutzung des Ki-ai verhindert den Ki-Fluss. Das mag eine schockierende Behauptung zu sein, aber es ist wahr. Ein lautes Ki-ai zieht einen großen Verlust an Energie mit sich und es stört den Ki-Fluß, weil der Körper sich dabei verspannt. Es ist wie ein lauter Ton, wenn eine Bombe explodiert. So ein Ton verhilft nicht der Kraft, doch die dafür aufgewendete Energie wird verschwendet. Wenn man also einen Ton bei einer kraftvollen Technik hört (so wie der Knall bei einer Dynamit-Explosion), aber ein lautes Ki-ai machen, nur des Ki-ais wegen, ist Energieverschwendung. Vielleicht ist das in Ordnung beim Kindertraining, um die Kinder zu begeistern, oder damit sie ihre Energie los werden, weil sie ohnehin sehr energiegeladen sind. In Shotokan Myths schrieb ich bereits in dem Kapitel über Ki-ai, dass es bei der alten Kata und während des Trainings auf Okinawa vor dem 20. Jahrhundert kein Ki-ai gab. Selbst Funakoshi hat diesem nicht zu viel Bedeutung verliehen und ein, oder zwei Ki-ai in der Kata waren optional (sie könnten ja Karatedo-Kyohannachlesen). Alles wurde anders, als Kata zu einer Wettkampfdisziplin wurde, wo einige strenge Regeln nötig sind, um die Beurteilung zu ermöglichen. Ist Ki-ai immer schlecht? Nein, denn wie ich früher sagte, ist alles in Ordnung, wenn man alles richtig macht. Es kann einer Technik eine außergewöhnliche Kraft verleihen, und ich meine hier keine Zauberei. Mit Worten ist es schwer zu erklären, aber ein korrektes Ki-ai dient als Bindeglied, welches all die Muskelkraft aus den verschiedenen Bereichen des Körpers harmonisch miteinander verbindet. Deswegen darf die Spannung im Körper (Kime) nur ein Hundertstel, oder sogar ein Tausendstel der Sekunde dauern. Das ist wahres Kime und kann im Hakkei (発剄) gesehen werden, welches lediglich als explosive Kraft“ übersetzt wird und eine Geheimtechnik im Kung-Fu sein soll. Das ist die Energie, die beim one-inch-, oder zero-inch-punch (wörtlich: Ein-Zoll- und Null-Zoll-Schlag) verwendet wird. Sie können meine Demonstration dieses Schlages auf der Karate-Coaching-Seite sehen.Ibuki breathing

Und wie sieht es mit der Ibuki-Atmung (息吹き) aus, die im Goju-Ryu und anderen okinawanischen Stilrichtungen verwendet wird? Meine Erfahrung mit dem Goju-Ryu-Training ist begrenzt, deswegen bin ich kein Experte auf dem Gebiet und heiße Beträge von Goju-Experten willkommen. So wie ich das verstehe, bestehen die Ziele der Ibuki-Atmung aus zwei Teilen. Das Eine findet in der Sanchin-Kata Anwendung und zielt darauf ab die Atmung mit der Bewegung zu vereinbaren. Es ist eine ähnliche Idee wie beim Tai Ji, jedoch gibt es da einen großen Unterschied: Im Tai Ji sollte man seine Muskeln entspannen, während man im Goju-Ryu lernt wie man den ganzen Körper anspannt. Die blockenden und schlagenden Arme bewegen sich in der Sanchin-Kata (三戦) also sehr langsam, aber es scheint doch viel zu viel Spannung im ganzen Körper zu entstehen, was den Ki-Fluß stören dürfte. Der Sinn dieser Kata und der ursprünglichen Hangetsu war also nicht die Verbesserung des Flusses, sondern möglicherweise nur die Stärkung des örtlichen Ki. Das zweite Teilziel des Ibuki-Trainings wird durch eine starke Ibuki-Atmung erreicht, indem der Übende ruhig steht, schnell einatmet und sehr angespannt ausatmet. Der Lehrer prüft die Körperspannung des Übenden, indem er ihn ziemlich stark schlägt und tritt. So wie ich das verstehe, ist der Grundgedanke dabei, dass der Goju-Ryu-Übende seinen Körper darauf trainiert den Tritten und Schlägen eines Gegners zu trotzen. Offensichtlich kommt diese Idee aus einer Nahkampf-Methode und basiert auf einer Situation, wo nur die Fäuste eingesetzt werden. Auf Okinawa wurden alle Waffen (Schwerter, Messer, etc.) über mehrere Jahrhunderte verboten, weshalb diese Idee in Betracht gezogen werden darf. (Anm. d. Lektors: Das vermeintliche Waffenverbot beruht auf einem Übersetzungsfehler. Deshalb ist der hier erwähnte Nahkampf-Aspekt nicht zu genau zu nehmen.) Shurite, inkl. Shorin-Ryu und Shotokan, basieren auf Kampfmethoden für lange Distanzen, was also auch den Kampf gegen einen bewaffneten Gegner einschließt. Das ist einer der Gründe, weshalb Funakoshi das Ibuki-Training nicht ins Shotokan aufnahm und der Hangetsu eine geringere Bedeutung beimaß. Ein anderer Grund war die Art, wie diese trainiert werden, nämlich mit freiem Oberkörper. Hangetsu KaseFunakoshi wusste, dass dies sich nicht so gut mit der japanischen Kultur vereinen würde, da nur Handarbeiter ihre Oberbekleidung auszogen. Er wollte den Japanern Karate wie eine Kunst der Samurai und Kavaliere präsentieren. Aber ein großer Vorteil der Ibuki-Atmung ist das Training des Zwerchfells. Während des Ibuki müssen Sie dem Zwerchfell und dessen Arbeit viel Beachtung schenken. Sie werden lernen wie man es herunterdrücktund wieder hochzieht, während Sie die Atmung kontrollieren. Jedoch gibt es diese Übung auch im Yoga. Ich mag diese Übungen mehr, weil sie mit weitaus weniger Körperspannung ausgeführt werden. Zusätzlich wird dieses Training mit der Bewegung der inneren Organe (hoch, runter und kreisförmig), sowie der Tiefenatmung verbunden. Diese Übung ist hervorragend für die Zirkulation des Ki und wird Ihre Gesundheit unterstützen. Ich empfehle diese Übung sehr und hoffe, dass die Leser sie ausprobieren werden.

Zurück zum Kime. Das verlängerte Kime, oder die Spannung der Muskel, ist nicht gut für den Ki-Fluß – darüber können Sie in dem Kapitel über Kime in Shotokan Myths nachlesen. Um den Ki-Fluß in Ihrem Karate-Training zu entwickeln, müssen Sie lernen, wie man sich während des Trainings mehr entspannt. Wenn Ihnen die Spannungen beim Training gefallen, dann empfehle ich Ihnen eine separate Einheit mit Atemübungen zu machen. Wie man lang und tief atmet habe ich meinem vorherigen Blogeintrag beschrieben. Es gibt noch weitere Wege, um sein Ki zu entwickeln, mit den ich mich in einer längeren Behandlung des Themas beschäftigen werde.
Jetzt, wo Sie wissen wie man die Technik der langen und tiefen Atmung ausübt, möchte ich diesen Artikel abschließen, indem ich über den größten Nutzen des starken Kis und gesunden Ki-Flusses, entwickelt durch Tiefatemübungen, schreibe.

Sie werden in der Lage sein ihren Herzschlag und den Blutdruck zu kontrollieren. Sie werden ein stärkeres Immunsystem besitzen. Was bedeutet das? Das heißt, dass sie ein sehr gesundes Leben führen werden. Funakoshi rühmte sich damit, dass er mit 70 und Anfang 80 nie krank wurde. Das zollte er dem Karate-Training, was ich befürworte. Er lebte bis zum 88. Lebensjahr, was für diese Periode eine sehr lange Lebensdauer war. Er erlebte in den 1940-er sogar die Kriegszeit in Tokio, als das Essen knapp war und mangelnde Hygiene herrschte. Ich stimme Meister Funakoshi zu und werde künftig einen Artikel darüber schreiben, wie das Karate-Training eine gute Gesundheit bewirken kann. Je länger ich Karate praktiziere, desto mehr merke ich, wie faszinierend der Mensch ist und dass unser Potential nahezu unerschöpflich ist. Würden Sie nicht glücklicher sein, wenn Sie selbst in ihren 70ern und 80ern einfach nicht krank werden würden? Diese Gesundheit können Sie mit der Tiefatmung und dem Karate-Training herstellen.

Brain Waves GraphSie werden außerdem in der Lage sein ihre Hirnströmungen und Emotionen besser zu steuern, als untrainierte Menschen. Würden Sie in einer stressvollen Notsituation nicht gerne die Fähigkeit besitzen, ruhig und gefasst zu bleiben? Sie können das erreichen, indem Sie ihre Hirnströmungen in dem entspannten Modus behalten. Wenn Sie ein starkes Ki besitzen, werden Sie nicht mehr depressiv sein und schlechte, oder traurige Nachrichten und Ereignisse werden Sie nicht mehr so leicht aus der Fassung bringen. Dies wird ganz eindeutig dazu beitragen, dass Sie ein glücklicheres Leben führen können.

Ihre geistige Bereitschaft wird sich mit einer korrekten Atmung und starkem Ki verbessern. Was bedeutet das? Sie werden in der Lage sein Unfälle zu vermeiden, ob beim Gehen, Laufen, Fahrrad- oder Autofahren und sonstigen Aktivitäten, die Sie unternehmen. Von all den Unfallarten ist der Autounfall wohl derjenige mit den schwerwiegendsten Folgen, also werden Sie diesen wohl am meisten vermeiden wollen. Speziell zu diesem Thema werde ich künftig einen weiteren Artikel schreiben und mit Ihnen teilen. Der Titel des Artikels ist Jidosha Dojo (Fahrzeug-Dojo) und darin geht es darum, wie man Karate beim Autofahren praktizieren könnte.

Ich hoffe, dass ich alles zum Thema Ki und dessen Beziehung zur Tiefenatmung behandelt habe. Dieser Artikel ist viel länger geworden, als ich erwartete, deshalb werde ich an dieser Stelle zum Ende kommen und auf die Fragen und Beiträge der Leser warten.

 

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